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Der Eupener Fotograf Willi Filz: Große Kraft in der Stille

Eupen. Große Worte liegen ihm nicht. Der Eupener Fotograf Willi Filz wird einsilbig, wenn er über seine fotografischen Arbeiten sprechen soll. Was ihn seit langem bewegt, ist eine Suche nach dem Wesen der Dinge, nach den Tiefen des Menschen. Gelernt hat der heute 58-Jährige das Hotelfach, ist ausgebildeter Koch, studierte später aber in Dortmund Fotografie, um seinen Traum zu realisieren. „Aber eigentlich wollte ist immer reisen, unterwegs sein“, sagt er nachdenklich. „Um etwas von der Welt zu begreifen, muss man unterwegs sein.“ Filz gehört zu den ersten Mitgliedern der Gruppe euregionaler Fotografinnen und Fotografen, die sich auf Initiative des Kunst- und Kulturzentrums (KuK) der Städteregion im Netzwerk „Shift“ verbunden haben. Noch bis zum 30. August ist seine Ausstellung im Monschauer KuK-Zentrum zu sehen.

Filz bricht immer wieder neu auf, um sich Fragen zu stellen, zuzuhören, zu beobachten. Bei seiner Ausstellung nimmt er die Besucher mit auf diese stillen, eindringlichen „Suchfahrten“. Dabei gibt es i Monschau zwei Schwerpunkte: Das syrische Aleppo von heute und der Jakobsweg. Im Februar dieses Jahres war Filz in Syrien, das schwer unter dem Krieg leidet. „Ich brauchte ein Visum, das bekam ich auch, weil ich dort in einer Galerie ausstellen konnte“, erzählt der Fotograf. Mit den Menschen dort ist er befreundet und war erneut berührt von der Gastfreundschaft. Seine Fotoarbeiten dokumentieren nicht etwa Kriegsschäden und Not. „Ich zeige, wie man das Leben dort meistert, ich will mit meinen Bildern Hoffnung geben“, sagt er. Die Menschen vor Ort waren erstaunt und begeistert, wie er bescheiden erzählt. Jemand, der die aufkeimende Hoffnung fotografisch festhält – ein Lichtblick.

Häufig arbeitet Filz mit den feinen Strukturen der Schwarzweiß-Fotografie, widmet sich den organischen Strukturen felsiger Regionen, lässt den Blick in die Weite wandern oder durch schmale Gassen. Auch der Jakobsweg von Nordspanien bis nach Santiago de Compostela findet durch seine Fotoarbeiten neue Tiefe. „Polka auf dem Camino“ nennt er diese Serie einer Region, die mit ihren 800 Pilgerkilometern für ihn eine starke Poesie ausstrahlt. Er blickt in die Natur, findet Strukturen, die ihn bewegen, spürt die Spiritualität, die über dem Weg der Suchenden und Pilgernden liegt. Ein Baum, ein Ast, ein wehrhaftes Gestrüpp: „Ich nenne das gern vergängliche Skulpturen“, sagt er, der die stillen Bilder, menschenleeren jeder bunten Jakobsweg-Reportage vorzieht. Die Suche ist für Filz mit Demut verbunden. „Das Licht, das Wetter, Tageszeiten, die Umstände – ich muss das akzeptieren“, sagt der Fotograf. „Wir sind von der Natur abhängig.“

Der Beruf des Fotografen ist für den Ostbelgier eine Berufung. Unter anderem durch Architektur-Aufträge finanziert er sein Leben. Er akzeptiert die Begleiterscheinungen. „Man ist einsam, ich reise allein, aber ich knüpfe gern Kontakte mit Menschen, die mir begegnen“, betont er. So hat er in Aleppo junge Leute nicht nur fotografiert, er fragte sie nach ihren Träumen, beobachtete ihr Alltagsleben. Andere Kulturen beschäftigen ihn. Auch hier sucht er nach dem Wesen der Dinge. „Wenn wir von einer multikulturellen Gesellschaft sprechen, bin ich eher zurückhaltend“, meint er. „In Europa wird so eine Kultur nicht gelebt.“ Ausstellungen sind für Filz Ereignisse, die sich jenseits der Popularität abspielen, das sucht er nicht. „Ich staune immer, wenn mir Besucher sagen, dass sie sehr lange ein Bild betrachtet haben“, meint er. „Sie erzählen dann oft ihre eigene Geschichte dazu.“

Willi Wilz ist am 30.8.20 zwischen 14 und 16 Uhr im Fotografie-Forum (ehemals KuK) anwesend.

WilliFilz


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