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Teehaus, Lehmbau, RWTH Aachen, 2019 ©Andreas Magdanz

Entgegengesetzte Eckpfeiler der RWTH-Forschung in Bildern

Eine Halle. Die Decke gut zehn Meter über dem Boden. Auf dem Boden ein schier unübersichtliches Sammelsurium an technischen Instrumenten, Kabeln, Schränken, in denen noch mehr Technik verbaut ist. Es ist das Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen, und Unbefugte haben hier mit gutem Grund keinen Zutritt. In dieser Halle, die sich am Campus Melaten buchstäblich auf der grünen Wiese befindet, entstehen neue Hilfsmittel, Techniken, Methoden. Wissen, das der Industrie Gold wert ist und maßgeblich den Fortschritt der Produktionstechnik vorantreibt.

Als „Synonym für erfolgreiche und zukunftsweisende Forschung und Innovation“ auf diesem Gebiet bezeichnet die RWTH selbst online ihr WZL. Dass dort jemand einfach mal so fotografieren darf: undenkbar. Und doch steht ein Mann in schwindelerregender Höhe über dem dicht zugestellten Hallenboden und fotografiert akribisch, was sich unten befindet. Der Mann heißt Andreas Magdanz ist Preisträger des Wettbewerbs „economy meets art“ (EMA) 2018 der StädteRegion Aachen. Sein EMA-Projekt und das überzeugende Konzept haben ihm die Türen geöffnet zu Räumlichkeiten der RWTH, die für gewöhnlich verschlossen bleiben. Nun sind die Fotografien erstmals im KuK zu sehen. Hier gibt's dazu weitere Informationen.

 

 

Im Zuge seiner Recherchen an der RWTH Aachen als seinem Projektpartner hat Andreas Magdanz sich zunächst – begleitet von Gesprächen und Führungen – viele der Gebäude angesehen, die zu den rund 260 RWTH-Liegenschaften gehören. „Es ist eine so unglaubliche Menge an Räumlichkeiten, selbst an der RWTH hat niemand einen Gesamtüberblick“, sagt er insbesondere mit den nach wie vor stetig wachsenden Campus-Erweiterungsgebieten vor Augen. Es war auch der Campus Melaten, an dem er schließlich fündig wurde: Auf dem Campus selbst und an dessen Rand liegen etwa 600 Meter voneinander entfernt zwei Orte, die für ihn „zwei Pfeiler der RWTH an entgegengesetzten Ecken darstellen“. Es handelt sich dabei um das Werkzeugmaschinenlabor (WZL) mit Professor Dr.-Ing. Dr.-Ing. Manfred Weck als Ansprechpartner und die Lehmbau-Siedlung mit Professor Dr.-Ing. Manfred Speidel als Ansprechpartner. Beide Professoren sind bereits emeritiert und hochbetagt, gelten aber als „Väter“ der Orte – und standen Andreas Magdanz mit Rat und Tat zur Seite.

Wie Andreas Magdanz erläutert, stehen diese beiden Räumlichkeiten „für den Prozess, in dem die RWTH Aachen sich als Universität gerade zwischen Tradition und Progression befindet“. Im WZL entstehen teilweise hoch geheime und zukunftsweisende Maschinenprojekte, der Lehmbau ist als Ort für praktische Experimente ein Herzensanliegen von Prof. Speidel, der möglicherweise mit dessen Rückzug zu einem Relikt werden könnte. „Ich fand das unglaublich spannend, diese zwei lokal benachbarten und inhaltlich so weit voneinander entfernten Orte fotografisch abzubilden und gegenüberzustellen“, erklärt Andreas Magdanz.

Gesagt, getan: Beim Lehmbau war dieses Prinzip recht unkompliziert umzusetzen, offenbarte der Ort sich bereits beim Betreten als für Fotografien bestens geeignet. Deutlich mehr Arbeit musste der EMA-Preisträger in sein Vorhaben investieren, eine Art „Scan“ des WZL von oben zu fertigen. Denn selbst aus sieben Metern Höhe erfasst eine Kamera nur einen Teil des Bodens. Soll die Aufsicht direkt von oben für die gesamte Fläche perspektivisch korrekt das zu Sehende darstellen, „kann man nur viele Dutzend Einzelaufnahmen machen und dann erst zu einem großen Ganzen montieren“. 240 dieser Einzelaufnahmen verwendet er letztlich, um daraus einen Blick von oben zu schaffen: Nicht nur in der Entstehung, sondern insbesondere in der Nachbearbeitung ein Mammutwerk. „Ich habe in Kooperation mit dem in Düsseldorf ansässigen HSL Fachlabor über Wochen – für die Aufnahmen selber, an einem Samstag neun Stunden am Stück – an diesem einen Bild gearbeitet“, resümiert Andreas Magdanz zum Aufwand. „Und selbst das hätte nicht gereicht, hätte ich nicht so grandiose Unterstützung vonseiten der RWTH, der HAWK, Phase One und HSL bekommen.“

Um das Vorgehen, das zum WZL passende wissenschaftliche Präzision nicht vermissen lässt, transparent zu machen, hat Andreas Magdanz diesen Prozess von seinen Tutoren Leon Heitmann und Lukas Gessing von der HAWK, der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim begleiten lassen, sodass ein Making-of-Film die Fotografien ergänzt. An der RWTH selbst hat das EMA-Projekt von Andreas Magdanz bereits viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. „Ich freue mich und bin mir sicher, einen wichtigen Baustein für ein großes Projekt auf den Weg gebracht zu haben“, macht der Fotograf seine Erwartung deutlich, sich in Folgeprojekten weiter mit RWTH-Themen beschäftigen zu können. Nachhaltig ist das EMA-Projekt also nicht allein aufgrund der Fotografien, die nun besagte zwei entgegengesetzte Eckpfeiler von Aachens altehrwürdiger Universität überhaupt abzubilden und gleichsam für die Nachwelt festzuhalten. Sondern auch, weil es sich als Startschuss für noch weitere Zusammenarbeit von Kunst und Wissenschaft abzeichnet.

Apropos altehrwürdig: Das Jubiläumsjahr „150 Jahre RWTH Aachen University“ naht mit dem kommenden Jahr 2020. Das sieht das Rektorat mitunter als guten Anlass, um die Bandbreite der Hochschule in Form von Andreas Magdanz Fotografien auch in den eigenen Räumlichkeiten auszustellen. Daher laufen bereits Gespräche, wohin die Ausstellung mit den Ergebnissen des EMA-Projekts weiterwandert, nachdem sie im KuK der StädteRegion Aachen erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Die Weltpremiere findet passend in dem Haus in Monschau statt, in dem alle Fäden der auch EMA betreuenden Stabsstelle Kultur der StädteRegion Aachen zusammenlaufen. Die Doppelvernissage zusammen mit der Mauerfall-Jubiläumsausstellung findet bei freiem Eintritt am Sonntag, 29. September, um 12 Uhr statt und steht jedem Interessierten offen – im Gegensatz zu den üblichen Regeln am WZL und in der Lehmbauhütte. Die bleiben weiter unzugänglich.


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