Walker Evans, Kitchen Wall in Bud Field’s Home, Hale County, Alabama, 1936.
Walker Evans, Kitchen Wall in Bud Field’s Home, Hale County, Alabama, 1936.

Werk des Monats Februar 2026: Walker Evans, Kitchen Wall in Bud Field’s Home, Hale County, Alabama, 1936.

1936 erhielt der damals 33-jährige Walker Evans einen Auftrag, der sein weiteres Schaffen nachhaltig beeinflusste. Gemeinsam mit dem Schriftsteller James Agee sollte er für das Fortune Magazin eine Reportage über Landpächter im Süden der USA anfertigen.

Sharecropper waren besonders von der anhaltenden Wirtschaftskrise betroffen. Die meisten der Pächter_innen führten ein Leben, dass von Armut und ständigen Abhängigkeiten zu ihren Verpächtern geprägt war.

Walker Evans begleitete drei Pächterfamilien für einen Monat lang. Unter anderem die Familie von Bud Field, die von der Baumwollernte lebte. Evans porträtierte die Familie und ihr Leben unter schwersten Bedingungen. Die Fotografien sind hierbei nicht von Sensationslust getrieben, sondern vermitteln eine gewisse Objektivität. Denn es ging ihm mit seinen Fotografien immer um eine möglichst deskriptive Wiedergabe der Wirklichkeit, ohne dabei „künstlerisch“ zu werden.
Bemerkenswert ist, dass Evans nur zwei Aufnahmen des Hausinterieurs anfertigte. Die hier gezeigte widmet sich der spärlich eingerichteten Wand über dem Küchentisch. An dieser befestigt sind wenige Utensilien: Der Deckel eines Butterfässchens, ein Einmachglas sowie ein Kerosinkanister. Hinzu kommt ein kleines Brett, hinter dem das Besteck verwahrt wird. Anhand der Streifen auf der Wand lässt sich sehen, dass diese Regalkonstruktion schon mehrfach nach oben gewandert ist, vermutlich um sie von neugierigen Kinderhänden fernzuhalten. Die Gegenstände sind mit einfachen Nägeln an den hölzernen Brettern des Hauses befestigt, für Ästhetik bleibt dabei kein Platz. Wie schwierig die Bedingungen des Lebens waren, zeigt sich u.a. auch durch die undichten Stellen des Hauses: An mehreren Spalten zwischen den Holzbrettern in der unteren linken Bildecke dringt Licht in das Innere. Die Bretter sind in Kalk getüncht. Diese Technik war für den Anstrich in der Küche unter ärmeren Hausbesitzer_innen beliebt, weil Kalk antibakterielle Eigenschaften hat. Gleichzeitig waren getünchte Häuser jedoch stets ein Zeichen für Armut, weil man sich reguläre Farbe nicht leisten konnte. Diesem Umstand verdankt sich in den USA sogar der Ausspruch: „Too proud to whitewash, too poor to paint.“ (zu dt. „Zu stolz zum Tünchen, zu arm zum Streichen.“)
Die entstandene Reportage wurde vom Fortune Magazin aufgrund ihres Umfangs abgelehnt und später unter dem Titel „Let Us Now Praise Famous Men“ als Buch von Agee und Evans veröffentlicht. Bereits wenige Zeit später genossen Evans Bilder ikonischen Status und machten ihn als Dokumentarfotografen für die Nachwelt berühmt.