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Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Monschau und des Geschichtsvereins des Monschauer Landes e. V.


Tuchmachertradition in Monschau
Ein geschichtlicher Überblick
(von Elmar Neuß und Toni Offermann)


Dauerkrise - Umstrukturierung zum Textilstandort (Wende 19. zum 20. Jh.)

Bereits Mitte der 1840er Jahre traten auf dem Weltmarkt billige Massenfabrikate aus der Lausitz (glatte Tuche) als Konkurrenten der Monschauer Fabriken auf. Deren Konzentration auf den nordamerikanischen Markt ab 1860 hatte schwerwiegende Folgen, als dieser nach 1870 durch die Einführung von Schutzzöllen verlorenging. Die teureren Monschauer Fabrikate fanden in Deutschland keinen Ersatzmarkt mehr. Daher war die Notwendigkeit einer grundsätzlichen Umorientierung gegeben. Sie vollzog als eine der ersten die Firma F. J. Scheibler 1863 in Dreistegen durch die Herstellung von Kunstwolle (= Reißwolle, vorwiegend Frauenarbeit), was aber auf Vorbehalte der traditionsbewußten Monschauer Tuchfabrikanten stieß und auch einen erheblichen Kapitaleinsatz erforderte (neue Maschinen, dazu auch festere Bauten). Die traditionsreichen Fabriken setzten weiterhin auf Hochpreisware.

Im Jahre 1860 zählte Monschau nur noch 8 Tuchfabriken.

Streichgarnspinnereien, Kunstwoll-, d.h. Reißwollfabriken und (ab 1889) als neuer Zweig die Seidenweberei setzten die Monschauer Tradition der Textilindustrie fort. Die zahlreichen Hausweber, die größtenteils für Aachener Firmen arbeiteten, hatten ab 1890 als Folge der Einführung des Maschinenwebstuhls in den dortigen Fabriken keine Perspektive mehr und fanden lediglich als Fabrikweber in den umliegenden Textilorten Beschäftigung.

Auch im 19. Jh. konnte die Monschauer Textilfabrikation als "Billiglohngebiet" gelten. Lange Arbeitszeiten und schlechte, einseitige Ernährung führten leicht zu Auszehrung und Krankeiten. In der Zeit des stärksten Niedergangs richtete die Stadt 1879/80 eine "Suppenanstalt" zur Unterstützung der Fabrikarbeiter und Arbeitslosen ein.

Noch vor der Einführung von Zwangskassen in Preußen (1845) entstand 1842 eine Allgemeine Krankenkasse, die 1856 748 Teilnehmer zählte, im wesentlichen von den Arbeitern selbst getragen. Früher schon sind arbeiterfinanzierte Firmenkassen (z.B. 1824 bei der Spinnerei von Guido Scheibler) belegt.

Soziale Konflikte entluden sich im 19. Jh. im allgemeinen nicht in Arbeitskämpfen, sondern meist in "Pöbelexcessen" infolge hohen Alkoholkonsums. Streiks gab es erst ab 1893, und als erste Gewerkschaft fasste der Christliche Textilarbeiterverband um 1900 in Monschhau Fuß.

Die überlebenden Tuchfabriken gerieten seit den 1870er Jahren bei einer stark schwankenden Auftragslage, z. T. als Folge der jahreszeitlichen Konjunkturen, in eine Dauerkrise und produzierten nur noch vergleichsweise kleine Mengen. Arbeitslose Fabrikarbeiter suchten Beschäftigung in der Feld- oder Waldarbeit bzw. wanderten in umliegende Textilfabrikorte ab. In der 2. Hälfte des 19. Jh. verlor die Stadt dadurch mehr als ein Drittel ihrer Bewohner. Ende der 1880er bzw. Anfang der 1890er Jahre gingen fast alle Firmen ein. Mit der Schließung der letzten Tuchfabrik der Firma Louis Scheibler Sohn endete 1908 die traditionelle Monschauer Feintuchherstellung.

Hatte Monschau mit der Ausbildung von manufaktureller und industrieller Fertigung das Modell "klassischer" Industriezonen des  19. Jh. (z.B. Ruhrgebiet) um Jahrzehnte vorweg genommen, so wies es auch mit dem Ende von Tuch- und Textilproduktion auf die Entwicklung zu Industriebrachen und die Aufgabe zur Neuorientierung voraus.