• Start
 • Historie
17. Jhd.
17./18. Jhd.
2. Hälfte 18. Jhd.
1794 - 1814
19. Jhd.
19./20. Jhd.
 • Ausstellung
 • Kontakt/Impressum




Öffnungszeiten:
Fr, Sa & So von
12.00 - 17.00 Uhr
oder nach telefonischer
Vereinbarung unter:
02472-803194





Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Monschau und des Geschichtsvereins des Monschauer Landes e. V.


Tuchmachertradition in Monschau
Ein geschichtlicher Überblick
(von Elmar Neuß und Toni Offermann)


Die "Blütezeit" - der Weg zur Protoindustrialisierung (2. Hälfte 18. Jh.)

Als Blütezeit der Monschauer Tuchmacherei gilt das 18. Jh. mit Höhepunkt von 1765-1790. Sie ist eng mit der Tätigkeit und dem Vorbild von Johann Heinrich Scheibler (1705-1765) verbunden, der 1724 in ein Offermann-Schloessersches Unternehmen eingeheiratet hatte.

Scheiblers Genie lag darin, dass er konsequent aus Monschauer Tuch einen Markenartikel machte und einen Vertriebsweg fand, der aus der Enge des Territoriums hinausführte.

Das gelang durch Verbesserung der Fabrikationsmethoden (Färbe- und Appreturtechniken, Verwendung von ausschließlich spanischer Wolle), Aufgreifen von Modetrends mit Spezialisierung auf Luxusartikel ("geflammte Tuche") und Absatz über Exportmessen (Frankfurt/M., Leipzig u.a.). Der zunehmende wirtschaftliche Erfolg der Feintuchfabrikanten schlug sich im Bau repräsentativer Wohn- und Geschäftshäuser nieder, unter denen das Rote Haus den Glanzpunkt bildet.

Der Aufschwung der Feintuchproduktion führte allerdings auch zu Spannungen zwischen den alteingesessenen katholischen Bürgern (Ackerbauern, Grobtuchfabrikanten) und den (z.T. zugewanderten) Feintuchunternehmern ohne Bürgerrecht, die sich zunehmend durch ihre protestantische Konfession und "Heiratspolitik" als Stand abschlossen. Sie gründeten 1742 in Reaktion auf erste Konflikte mit den Scherern einen "Arbeitgeberverband", die spätere "Feine Gewandschaft". Die Grobtuchunternehmer waren wegen der gemeinsam betriebenen Walken genossenschaftlich in der "Groben Gewandschaft" vereinigt. Versuche der Scherer als hochqualifizierte, meist zugezogene Facharbeiter in gewaltsamen Konflikten (1742, 1762) zünftlerische Schutzregelungen (begrenzte Lehrlingszahlen) und Lohnerhöhungen durchzusetzen, wurden gewaltsam niedergeschlagen.

Die Hochkonjunktur der Tuchmacherei brachte nicht nur Vorteile (z.B. für das Speditionsgewerbe, das von Bewohnern der umliegenden Dörfer betrieben wurde). Der Zuzug auswärtiger Facharbeiter führte zu kräftigen Preissteigerungen, wenn auch der Standort im Vergleich als "Billiglohngebiet" gelten konnte. Die Auslagerung von Spinn- und Webarbeiten ins benachbarte limburgische "Ausland" führte zeitweise zu Arbeitslosigkeit in Monschau und Umgebung. 1774 brachen offene Weberunruhen aus, ebenso erneut Schererstreiks 1797 und 1808.

Zur Kanalisierung des Protestpotentials kam es 1777 nach dem Vorbild zünftlerischer Selbsthilfe zur Einrichtung einer Krankenkasse unter Leitung der Unternehmer.

Der Trend zur Zentralisierung von Arbeitsgängen schlug sich ab 1765 im Bau größerer Fabrikationsstätten für Färberei, Weberei und Appretur nieder, erst noch im engeren Stadtbereich: Beispiele sind der Schmitzenhof (1765), Bongert (1776), Äuchen (1780er), Rosenthal (1784 bzw. 1773), Kolpinghaus/Ley (ca. 1786), Burgau (ca. 1796), neben dem Roten Haus. Monschau wurde damit ein Beispiel für die "Protoindustrialisierung", das organische Hinüberwachsen vorindustriell-manufaktureller in frühindustrielle Produktion.