Economy Meets Art
Start · KuK-Veranstaltungen · Veranstaltungen 2007 · AKT 4 (28.04. - 31.05.2007)

AKT 4 (28.04. - 31.05.2007)

akt4

Akt 4: Ausstellung der neuen Mitglieder der KuK-Ateliergemeinschaft im KuK Monschau und im Aukloster Monschau.

calendar Eröffnung am 28. April 2007 um 16.00 Uhr.

Ausstellungsdauer: 28.04. - 31.05.2007

Zur Ausstellungseröffnung ein Text von Gisela Schäffer, Kunstwissenschaftlerin, Roetgen

Das Kunst- und Kulturzentrum Monschau stellt seine vier neuen Mitglieder vor, drei Künstler und eine Künstlerin. Die Positionen, denen Sie hier begegnen werden, sind sehr unterschiedlich. Die Künstler arbeiten nicht nur in verschiedenen Gattungen bzw. Techniken, von der Malerei über die Fotografie bis zur Installation. Auch die Aufgaben, die sich die Künstler stellen, die Fragen, die sie bearbeiten, unterscheiden sich sehr. Dennoch werden sie feststellen, dass es Berührungen gibt, Verwandt-schaften, ja sogar Bezugnahme des einen auf den anderen.
Es sind ausgereifte Produktionen, denen man die Bandbreite der Erfahrungen, das schon gelebte Leben, die Intensität der künstlerischen Auseinandersetzung anmerkt.

Eintritt frei!


Die Arbeiten von Yuri Brodsky, der aus der Ukraine stammt und seit einigen Jahren in Köln lebt, sind geheimnisvolle Bildwerke, nicht nur den Prozess ihrer Herstellung betreffend. Angekündigt sind sie als Fotografien, der Titel lautet „fashion o & e bekritskaja". Modefotografie also dürfte der Ausgangspunkt sein. Aber unsere Erwartungen an die Fotografie, mit der wir gewohnt sind, ein Stück Lebens wirklich keit einzufangen - und sei diese Wirklichkeit auch zu Werbezwecken inszeniert, um sie im Verhältnis 1:1 zu Erinnerungs- oder Dokumentationszwecken aufzuzeichnen, werden enttäuscht. Die Wiedergabe ist brüchig, schattenhaft, scheint überlagert. Andererseits erinnern die Fotografien an Gemälde, an ganzfigurige Porträts in lebensgroßer Wiedergabe. Tatsächlich sind die Fotografien auf Leinwand appliziert und es gibt breite Malspuren. Sie bilden den Fond, von dem sich die menschlichen Figuren wie losgelöste Zeichen abheben. Sonderbarerweise vermitteln die Kunstwerke aber auch den Eindruck eines Abdrucks, so wie bei einem Holzschnitt etwa, dessen Textur durch den künstlerischen Handvorgang bestimmt wird. Tatsächlich ist jede einzelne dieser Arbeiten ein Unikat, dessen verwirrende Schönheit auf der Kunstfertigkeit des Fotografen beruht, der als zugleich Maler tätig wird, als Druckgraphiker und Konzeptkünstler. Was ihn beschäftigt, sind aber keinesfalls die Bilder der Wirklichkeit, sondern umgekehrt die Wirklichkeit - und die Unwirklichkeit - der Bilder. Sie gehen ineinander über, sie entziehen sich, führen uns an der Nase herum und faszinieren.

Jo Pellenz, Sozialpädagoge, Projektentwickler und Künstler, hat eine Installation geschaffen, deren Kernstück sich in unserer Mitte befindet. Aber sie bezieht den ganzen Raum, seine Architektur und den Ort, d.h. das Gebäude in seiner Flusslage mit ein. Jo Pellenz ist in erster Linie ein Raumkünstler. Er interpretiert Räume, ihre architektonischen Leitlinien, ihren Charakter, ihre Zweckbestimmung. Es kann sich um das Treppenhaus eines Verwaltungshochhauses handeln, wie jüngst im Bürgeramt Köln Porz, um einen sakraler Ort wie die Wallfahrtskirche Maria Martental mit seinem Gnadenbild oder auch ein Privathaus mit einer Arbeit im Fenster, wie sie hier im Eingangsbereich des Kulturzentrums zu sehen ist. Seine Installationen haben einen kontrapunktischen Charakter. Denn sie setzen der Massivität von Mauerwerk und Fensterlaibung, von Wandverstrebungen und Vollverglasung die transparente Schwerelosigkeit der papiernen Elemente der Rauminterventionen entgegen.
Diese Installationen, darunter auch „Ufer II" für das Kunst- und Kulturzentrum Monschau, stellen ephemere Kunstwerke war, also Kunstwerke auf Zeit. Wie sie an den einzelnen Ort gebunden sind, sind sie auch sensibel für das Zeit bedingte Umfeld, seine Nutzung und seine Frequentierung. Denn Jo Pellenz bezieht in seine Raumkunst nicht nur die immobilen Faktoren ein. Er spiegelt darin auch die stattfindende Bewegung, so etwa den Fluss am Haus, und die Interaktionen, uns selbst also als stehende oder flanierende Betrachter dieser Kunstwerke.

Im Aukloster sind die überwiegend großformatigen Gemälde von Jürgen Kötter zu sehen, in ihrer enormen energetischen Präsenz alle seit dem Sommer 2006 entstanden. Sie sind abstrakt, entbehren beinahe jeglicher Formbezüge und trotzen fast allen Versuchen der Gestaltbildung durch das Betrachterauge. Der Künstler, der jahrelang anwendungsbezogen als erfolgreicher Kostüm- und Bühnenbilder arbeitete, hat den Zwang zur Inszenierung von Gegenständlichkeit weit hinter sich gelassen. Entstanden sind Farbwelten, die auf unterschiedliche Trägermaterialien wie Holz, Papier oder Metall flächig mit dem Pinsel oder auch mit den Händen aufgebracht, teils auch mit Kreidestiften oder dem Pinselstil linear erweitert, jeweils eigene Stimmungen in sich tragen. Manchmal scheinen sich die Farben in Ballungen und Schichten aufeinanderzu zu bewegen oder auseinander zu streben, manchmal in Bändern zu fließen, in Linien zu schwingen. Hier wird Dramatik spürbar, dort Ruhe, an anderer Stelle ein Tonraum oder gar ein sinfonisches Klanggewebe. Musik ist ein Schlüssel zu diesen Werken..

Wenn die Gemälde von Jürgen Kötter das Sehen mit dem Hören zu verbinden scheinen, so ist es bei Susanne Katharina Opheys insbesondere der haptische Charakter der Arbeiten, der ein zusätzliches Kontaktmoment zwischen Bild und Betrachter herstellt. Es sind die rauhen, körnigen oder glänzenden oder manchmal wie eine alte Häuserwand aufspringenden Oberflächen, die uns die Bilder nicht nur sehen, sondern mit den Augen tasten lassen. Die Künstlerin mischt die Farben in der Regel selbst aus Pigmenten an, verwendet aber auch Erden oder pflanzliche Farbstoffe wie Safran, Tee oder Rotwein, die sie in vielen Schichten lasierend aufträgt. Ihre Arbeiten reifen buchstäblich heran und oft arbeitet sie an mehreren Bildern gleichzeitig. Daraus entstehen thematische Reihen, die in der Regel an einen Ort gebunden sind und dessen klimatische und im weitesten Sinne atmosphärische Einflüsse sie in sich aufnehmen. Das Motiv der poetischen Barcelona-Serie ist die Kaktusblüte. Die Künstlerin scheint sie durch die transparenten Seidenpapierblätter in die Bildfläche hinein zu vergrößern. Der Kontrast von weichem Gelb und tiefem Rotbraun, der in jedem Einzelexemplar der Reihe verschieden nuanciert ist, ruft die Vorstellung von Hitze und Erdtrockenheit wach. Die Serie „Africa" entstand in Berlin in einem über Jahre andauernden Werkprozess. Die Bilder zeigen eine charakteristische Farbskala mit einer Unzahl erdiger Rot- und Brauntone. Starke Kontraste entstehen durch Schwarz, aber auch durch leuchtendes Blau oder helle, milchige Pigmentaufträge. So entstehen oft dreiteilige Arbeiten, die eine Landschaft anklingen lassen, manchmal auch Symbole enthalten, einen starken Löwen, immer wieder auch ein Boot, eine stilisierte Blume. Auch wenn die Pigmentschichten sich zu abstrakten Formen addieren, ahnt man das Licht und die Natur des anderen Kontinents. Die afrikanischen Freunde haben es bestätigt. Auch hier in Monschau ist eine Serie von Bildern entstanden. Kleine Formate, mit Schelllack überzogen, so dass sie an manchen Stellen glänzen wie das Holz einer Violine. Die Hauptrolle spielt eine Rose.


Fotos der Ausstellung

Fotos: Yuri Brodsky

kukhaus

Kunst- und Kulturzentrum der StädteRegion Aachen
Austraße 9
52156 Monschau
Telefon/Fax: 02472 - 803194
info@kuk-monschau.de

Öffnungszeiten:
Di - Fr: 14.00 - 17.00 Uhr
Sa, So: 11.00 - 17.00 Uhr
Montags geschlossen
Parken direkt am Haus auf der Straße oder im Parkhaus möglich.


KuK Monschau

 
Banner
Banner
© 2001 - 2011, Kunst- und Kulturzentrum der StädteRegion Aachen in Monschau