Economy Meets Art
Start · KuK-Veranstaltungen · Veranstaltungen 2007 · V. GÜNTHER & J. KREUTZFELDT (03.03. - 10.05.2007)

V. GÜNTHER & J. KREUTZFELDT (03.03. - 10.05.2007)

vguenther
kreutzfeldt

Ausstellung der beiden Montjoie-Stipendiaten 2006 Verena Günther (Fotografie) und Jakob Kreutzfeldt (Installation)

calendar Eröffnung am 3. März 2007 um 16.00 Uhr.

Ausstellungsdauer: 03.03. - 10.04.2007

Arbeiten der beiden Montjoie-Stipendiaten Verena Günther (Fotografie) und Jakob Kreutzfeldt (Installation).

Zu den Ausstellungen sind Kataloge erschienen..

Eintritt frei!



vguenther
... über die Arbeiten von Verena Günther

Einblicke, Eindrücke, Einsichten

Fotografische Dokumentationen, die Deutschland mit seinen Städten und Landschaften widerspiegeln, hat jeder von uns bereits gesehen. Sie bilden in aller Regel die Lebensumstände der jeweiligen Zeit und Orte ab.

Die Montjoie-Stipendiatin Verena Günther hat 2006 begonnen, deutsche Regionen anders als gewohnt abzubilden. Die Landschaften und Menschen zwischen Großstädten und Ballungs zentren, Gebiete mit geringerer Bevölkerungsdichte interessieren sie besonders. An diesen Orten, die nahezu überall sein können, die nicht konkret lokalisiert sein müssen, tritt eine singuläre Veränderung oder auch Bleibendes deutlicher zu Tage als anderswo.

Die junge Fotografin fragt danach, wie Menschen und Strukturen einander gegenüber stehen, wie Bewohner und Bewohnerinnen, Orte und Geschichten zusammenhängen. Besonders spannend zu betrachten sind Kontrast und Zusammenhang von städtischer und regionaler Entwicklung zur globalen Vernetzung. Die Abbildungen wollen dem Betrachter exemplarisch nahe bringen, was an vielen anderen Orten auch sein kann. Ob Eifel, Zittauer Berge, Niedersachsen, Thüringen, Westerwald oder Quedlinburger Land – typische Eindrücke, die gleichzeitig allgemeine Gültigkeit annehmen können. Das Panorama-Café kann beispielsweise an vielen Gewässern in Deutschland liegen. Bushof und Wohnblöcke stehen wo? In Ost oder West, Nord oder Süd? Ist das Gartenhaus „eine Laube" im Westen oder „eine Datsche" im Osten?

Gesamtdeutsch betrachtet verwischen die Fotos die ehemalige Grenze zwischen Ost und West. „Drüben" ist nicht mehr erkennbar, jedenfalls in der Regel nicht. So können die Ansichten von Verena Günther zu Einsichten in den aktuellen Zustand unserer Bundesrepublik werden. Diese Einblicke erlauben uns, Kenntnisse zu vertiefen, Diskussionsstoff und Anregungen für eigene Ideen zu gewinnen.

Dieser Zyklus, der heute vorliegt, soll ein Anfang sein. Die junge Fotografin hat das Ziel, diese deutsche Fotoreise zu ergänzen, zu vertiefen. So kann ein Blick in unser Land entstehen, der mehr als eine Momentaufnahme ist, als Langzeitstudie kann die Fotoserie zu einem zeit historischen Dokument werden.

Mehr noch: Wenn der fotografische Streifzug die deutschen Grenzen überschreitet, wenn aus der nationalen Perspektive eine internationale, europäische werden kann, dann lassen sich grenz überschreitende oder auch trennende Aspekte herausarbeiten. Einen ersten – persönlichen – Schritt hat die Stipendiatin bereits getan: vom grenznahen Niederrhein hat sie ihren Wohnsitz im europäischen Zentrum Brüssel genommen. Ist es deshalb ein Signal, dass sie ihre erste Ausstellung grenznah zwischen Belgien, Deutschland und den Niederlanden präsentiert?

Dr. Hans Walter Hütter, Stiftung Haus der Geschichte der BRD, Bonn


jkreutzfeldt
... über die Arbeiten von Jakob Kreutzfeldt

"Es ist, was es ist", sagt Jakob Kreutzfeldt.

Und das, was wir hier sehen, ist das, was es ist. Nicht mehr und keinesfalls weniger. Aber stimmt das auch? Oder treibt der Künstler ein durchtriebenes Spiel mit uns? Ein hintergründiges Spiel mit dem Offensichtlichen, mit unseren Ansichten und Einsichten.

Was ist also das, was wir sehen? Zunächst nur einen Quader, sichtbar aus Rigips nachlässig gefertigt, der den Raum beherrscht. Ein wahrlich raumgreifender Akzent ist hier gesetzt und so angeordnet, dass wir gezwungen sind, um ihn herumzugehen wie die Gläubigen um die Kaaba in Mekka. Er ist auffällig unbeholfen einerseits mit Schiefer andererseits mit Laminat unverfugt verblendet, das bedeutet ein Körper mit zwei Gesichtern: innen ein Hohlraum und aussen Blendwerk.

Das Laminat mit seiner Teakholz-Mahagoni-Anmutung gefällt sich im farblichen Einklang mit dem taubengrauen Linoleum des Galeriebodens und der Schiefer trägt noch fast malerisch die Gebrauchsspuren aus seiner Zeit als Dachschindel. Eine Aussparung verweist auf einen Kamin, den es gar nicht gibt und nicht geben wird. Eingefasst in die Laminatseite ein Küchenschrank, sorglos übermalt, sehr verschnörkelt, vielleicht aus den 50er Jahren und auch da nur das Zitat eines verschlissenen Barock. Im Fenster der Fernseher und darin der Film: wir sehen eine Frau bei der Zubereitung von Rouladen. Unspektakulär, dem Alltäglichen entnommen, still, kein Ton, nichts Lärmendes, fast kontemplativ die Atmosphäre. Es könnte jemand sein, den wir gut kennen.

Jakob Kreutzfeldt fragt nach Sehgewohnheiten und Wahrnehmungsmustern von Alltagsgegenständen und wie sie durch den Kontext beeinflusst werden.

Er sucht nach der Energie in jeder Gestalt, in jedem Material und jeder Form. Seine Arbeiten sind direkt und unmittelbar aber niemals eindeutig: Sie sind einerseits Möbel, aber auch Skulptur, schließlich bildliche Darstellung, Fotografie, Video und Ereignisraum und letztlich Denkstation über die Eigenschaften der Dinge und ihre Beziehungen zueinander.

In der bewussten Abkehr vom (Kunst-)Handwerklichen wird der Dilettantismus in der Bearbeitung des Materials zum Kalkül. Ebenso die Fragen nach dem Zusammenhang von Funktion und Identität der Dinge und sein Interesse an Fassaden, Attrappen und Kulissen und sein Spiel mit unserer Wahrnehmung von außen - innen, oben - unten, kreuz und quer, echt und falsch.

Aber auch mit Perspektive und vor allem mit der Beschaffenheit von Oberfläche: So wird bspw. das Laminat zum perfekten Instrument, um die Strategien der Verfremdung und Irritation weiter zu treiben.

Wobei er sich die bildhafte Eigenschaft der vermeintlichen Holzmaserung als ein auf die Oberfläche projiziertes Bild zunutze macht, was sowohl wie ein ‚Fake' als auch geradezu ‚überreal' wirkt. Das Material verweist auf echtes Holz, kokettiert aber auch mit der Realität als Fälschung und transportiert so ein künstliches Abbild des Originals, ein Abbild des Echten. Die Oberfläche erscheint als wäre sie etwas anderes. Das ist absurd, paradox und ganz alltäglich.
Das Raumobjekt steht an der Grenze zwischen der imaginären Bildwelt und der realen Präsenz im Raum und scheint ständig im Begriff, die Seiten zu wechseln. Seine Position ist nicht eindeutig definierbar.

Aus den Versatzstücken einer malerischen Idylle entsteht Illusion und dann Irritation.
Das ist ein Gedankenspiel über die konstituierenden Eigenschaften und konventionellen Erwartungen an Dinge. Und bei den Fotos: unüberhörbar auch der
(gesellschafts-)kritische Ansatz, der die Bilder von Überwachungskameras als alltägliche Bilderkonvention vorführt.

Die Entscheidung bleibt aber dem Betrachter überlassen und ebenso in der Schwebe gehalten oder in die Unschärfe gerückt wie die Fotos selbst.

Denn "Wenn man etwas erkennt, muss man es nicht unbedingt deutlich sehen", sagte schon Richard Artschwager.

Diese Rauminstallation von Jakob Kreutzfeldt ist eine doppelbödige und ironische Intervention über die Konventionen der Wahrnehmung.

Dabei widersetzt sich der Künstler jeder ordnungsliebenden Kategorisierung in kunsthistorische Schubladen und doch führt er eine Tradition fort. So wie es schon Duchamp mit seinem Flaschentrockner und seinem Urinoir tat, so verbringt Jakob Kreutzfeldt seine Zeit damit, die Dinge zu entstellen.

Und wenn man dabei sei es auch nur für den Bruchteil von Sekunden an der Gewissheit der eigenen Erkenntnisse zu zweifeln beginnt, ist sein Sinn erreicht.

Helga Scholl, Kunsthistorikerin, Aachen
 

 


Fotos der Ausstellung

Fotos: Winfried Kock / Peter Stollenwerk (Nr. 8)

 

kukhaus

Kunst- und Kulturzentrum der StädteRegion Aachen
Austraße 9
52156 Monschau
Telefon/Fax: 02472 - 803194
info@kuk-monschau.de

Öffnungszeiten:
Di - Fr: 14.00 - 17.00 Uhr
Sa, So: 11.00 - 17.00 Uhr
Montags geschlossen
Parken direkt am Haus auf der Straße oder im Parkhaus möglich.


KuK Monschau

 
Banner
© 2001 - 2011, Kunst- und Kulturzentrum der StädteRegion Aachen in Monschau