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Start · KuK-Veranstaltungen · Veranstaltungen 2007 · TAE-JIN KIM (09.06. - 10.07.2007)

TAE-JIN KIM (09.06. - 10.07.2007)

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Tae-Jin Kim

calendar Eröffnung am 9. Juni 2007 um 16.00 Uhr.

Veranstaltungsdauer: 09.06. - 10.07.2007

Ausstellung im Rahmen des Montoie-Stipendiums 2007.
Eintritt frei!



Die Kunst des ersten diesjährigen Montjoie-Stipendiaten Tae-Jin Kim ist etwas für Hellhörige. Sie ist etwas für Menschen, die bereit sind zu schauen, auch mit dem inneren Auge, mit dem inneren Ohr zu hören und sich auf Gedankenwege einzulassen. Diese Kunst ist Gedankenkunst und das hat in dem asiatischen Kulturraum, dem Tae-Jin Kim entstammt, eine lange Tradition. Konzeptkunst ist ein anderes Wort dafür.

Das Zentrum dieser Ausstellung bildet eine Rauminstallation, deren Besonderheit darin besteht, dass wir sie von keinem Standpunkt aus als Ganzes zu Gesicht bekommen. Ein Teil befindet sich im Erdgeschoss, ein anderer im ersten Stock. Tatsächlich bezieht die Installation das ganze Gebäude mit ein und darüber hinaus die Stadt und die Landschaft, in die sie eingebettet ist, Ortsgegebenheiten also, die, wenn überhaupt, ebenfalls nicht mit einem Blick zu erfassen sind.

Im Erdgeschoss hängen kleine Bündel von feinen weißen Fäden von der Decke herab. Sie sind jeweils von unterschiedlicher Länge und konzentrisch angeordnet. Sie bilden ein wellenförmiges Auf und Ab, das sich zur Mitte hin immer tiefer nach unten in den Raum senkt. Feine Wurzelfasern scheinen dem Erdreich entgegen zu wachsen, als wollten sie zum Leben spendenden Wasser gelangen. Im Stockwerk darüber erheben sich hölzerne Stäbe vom Boden aus senkrecht in die Höhe. In gleicher Anordnung wie die Fadenbündel jenseits der trennenden Zwischendecke verkleinern sich die Wellenkreise diesmal trichterförmig nach innen hin bis zu einem Leerraum im geschützten Kern. Man denkt an einen Baum mit seinen Jahresringen, aber auch an einen Klangkörper, dessen Stäbe verschiedene Töne hervorbringen und in ihren Schwingungen interferieren.

Insbesondere dieser obere Teil der Installation lässt sich erst im Umschreiten ganz erschließen. Dann nämlich nimmt der Betrachter das Wechselspiel zwischen dem Holzobjekt in der Mitte des Raums und der papiernen Landschaftssilhouette wahr, die sich als schmales bläuliches Band über alle Wände quasi konzentrisch hinzieht. Am unteren Rand spiegelt dieser Landschaftsstreifen zugleich das Auf- und Absteigen der Hölzer im Raumzentrum in stufigen Aussparungen als Negativform. Wieder gibt es eine assoziative Verbindung zur Klangwelt, diesmal durch die Optik graphischer Tonsignale.

Zugleich wird die Simulation einer doppelten Landschaftsperspektive sichtbar. An den Wänden zeigt sich eine Sicht von innen aus dem Haus über die Dächer der Stadt hinweg bis zur Höhenlinie der umgebenden Hügelkette. Das Zentrum bietet eine Außensicht aus großer Entfernung auf ein Hügelrelief, das den Talkessel mit seinen darin zusammengedrängten Häusern umschließt, wie in Monschau, oder das sich mit Wasser füllen könnte – man denke an die haarfeinen Wurzelkanäle im unteren Stockwerk - wie ein Gesteinstrichter, der aus der Tiefe gespeist wird.

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Tae-Jin Kim stammt aus Südkorea. Er hat im Jahr 2005 sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste Saar in der Fachrichtung Bildhauerei mit dem Diplom abgeschlossen. Seit 2005 ist er Meisterschüler bei Professor Wolfgang Nestler.

Seine Themen sind Form und Raum. Dabei mischen sich makroskopische und mikroskopische Perspektiven und geben Auskunft über die Verflochtenheit der Dinge.

Davon handeln auch die filigranen Objekte, deren Feinheit uns zu einer sensiblen Wahrnehmung der Erscheinungswelt herauszufordert, und die vielen Zeichnungen, die meist sehr einfach, reduziert und zeichenhaft die Ortsbeobachtungen während der vergangenen Monate künstlerisch dokumentieren. Hier erscheinen die Monschauer Türen, Treppen und Mauern, Wind, Wasser, Moor und Höhenzüge - immer wieder auch menschliche Gestalten, die sich in diesen Gegebenheiten bewegen – in einer piktogrammartig knappen Darstellung, die etwas mit den alltäglich begegnenden Hinweisschildern gemeinsam hat. Tatsächlich besteht die eigentliche Tätigkeit Tae-Jin Kims darin, dass er Hinweise auf Zusammenhänge sammelt: etwa zwischen der sich kräuselnden Wasseroberfläche und einer Zellstruktur, in die der Künstler kleine grüne Vegetationskeime einträgt, oder zwischen im Wind wehendem Haar und den Windungen der Holzstege im Venn.

Es ist auch eine Art der aphoristischen Wiedergabe, die an die Ausdrucksmittel der traditionellen südostasiatischen Kunst erinnert. Ihr charakteristischer Linearstil, der immer den leeren Raum als Gestaltungselement einbezieht, ist uns von Tuschezeichnungen und Holzschnitten vertraut. Er verweist uns darauf, dass es hier anders als in der europäischen Tradition nicht um Naturnachahmung geht, sondern um Gedanken.

Das Geheimnis, dem der Künstler Tae-Jin Kim nachgeht, ist das der Formbildung im großen und im kleinen Maßstab. Es sind die Formen, die in der Natur, in der Landschaft, im Körper des Menschen bis hin zu seinen kulturellen Äußerungen, der Bauweise und der Bekleidung, die Zusammengehörigkeit und die vielschichtige Verbundenheit der Dinge signalisieren.

Gisela Schäffer
Kunsthistorikerin, Aachen


Einblicke in die Ausstellung

Fotos: Winfried Kock

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