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JÜRGEN SCHADEBERG (29.09. - 23.12.2012)

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JÜRGEN SCHADEBERG – Fotografie aus sieben Jahrzehnten

calendar  Eröffnung am 29. September 2012 um 16.00 Uhr im KuK Monschau

Ausstellungsdauer: 29.09.2012 - 23.12.2012

Projektleitung: Dr. Nina Mika-Helfmeier
Begrüßung durch Helmut Etschenberg (Städteregionsrat)
Gespräch zwischen Jürgen Schadeberg und Bernd Büttgens (stellv. Chefredakteur AN/AZ).

Der Künstler ist anwesend.



Eintritt frei!

„Jürgen Schadeberg ist engagierter Dokumentarist und hellsichtiger Chronist: Er schlägt in seinen Bildern die Brücke zwischen Arm und Reich, Schwarz und Weiß“.
Seine Aufnahmen, die den Alltag der farbigen Einwohner Südafrikas zeigen, die Großen und die Kleinen dieser Kultur, haben ihn berühmt gemacht. Doch so weit er in seinem 80-jährigen Leben bereits gereist, so viel er herumgekommen ist, so vielfältig sind auch seine Werke. Eindrücke aus der mal verrauchten, mal lebensbejahenden Jazzszene, dokumentarische Momentaufnahmen vom Bau der Berliner Mauer, das Bunte und Laute der Swinging-60s und Flower-Power-70s in Großbritannien: All das und noch viel mehr ist und zeigt Jürgen Schadeberg. Meist sind es schwarz-weiße Fotos, doch ihnen fehlt es inhaltlich nie an Farbe.
Im KuK der StädteRegion Aachen ist ein Längsschnitt des bemerkenswerten Schaffens dieses Ausnahmefotografen zu sehen.

Das KuK-Zentrum widmet dem großen Berliner Fotografen Jürgen Schadeberg vom 29. September bis 23. Dezember 2012 eine umfangreiche Einzelausstellung mit Fotografien, die zum Teil noch nie zu sehen waren. Die Werkschau bietet Einblicke in fotografische Arbeiten, die innerhalb von sieben Jahrzehnten in Berlin, London und Südafrika entstanden sind.

Berühmt wurde Schadeberg in den fünfziger Jahren als Fotograf und Chef der Fotoabteilung des Magazins "Drum", der ersten Illustrierten für Schwarze von Schwarzen in Südafrika. Als erster weißer Fotograf dokumentierte er die Lebens- und Arbeitsbedingungen der schwarzen Bevölkerung.
Er porträtierte den jungen Rechtsanwalt und ANC-Kämpfer Nelson Mandela ebenso wie die damals nur unter Schwarzen bekannte Sängerin Miriam Makeba. Er tauchte in das pulsierende Nachtleben der schwarzen Townships ein und dokumentierte deren lebhafte Musik-, Tanz- und Barszene.

Die Ausstellung bietet den Besuchern einen Querschnitt durch eine Auswahl aus Schadebergs wichtigsten Projekten. Dabei nehmen vor allem die Fotos, die er in seiner Wahlheimat Südafrika gemacht hat, einen bedeutenden Platz ein. Bereits 1950 ist Jürgen Schadeberg nach Johannesburg ausgewandert. Hier entstanden die berühmten Porträts südafrikanischer Jazzmusiker, aber auch Zeugnisse der politischen Verhältnisse. Diese zeigen beispielsweise Szenen aus dem Alltag der schwarzen Bevölkerung, wie in der Serie der Bilder aus Sophiatown, einem Vorort von Johannesburg aus dem die schwarze Bevölkerung nach und nach vertrieben wurde. Viele der Bilder sind Zeugnisse der Diskriminierung der dort lebenden Menschen und machen deutlich, was durch Hendrik Verwoerds Apartheids Politik in diesem Land zerstört wurde. Besonders beeindruckt auch die Fotoserie aus dem Gefängnis Robben Island, in welchem auch Nelson Mandela einsaß, den Schadeberg bereits vor seiner Verhaftung kennengelernt hatte.

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Foto: Nelson Mandela beim Besuch seiner ehemaligen Gefängniszelle auf Robben Island, 1994

Selbst unter politischen Druck geraten, ging Jürgen Schadeberg 1964 nach Großbritannien, wo er ebenfalls auf starke Kontraste innerhalb der britischen Gesellschaft traf und diese in seinen Bildern einfing: Studenten beim Maiball in Cambridge treffen in seinen Fotoserien auf Alltagsszenen auf der Straße oder im Pub in London und Glasgow. Die Aufnahmen der Bewohner von Hensol Castle, einem Heim für geistig Behinderte in Wales, schildern sehr eindrucksvoll das tägliche Leben dieser Menschen. Gemeinsam haben all diese verschiedenen Motive den genauen Blick des Fotografen, der scheinbar unentdeckt einen Augenblick festzuhalten weiß. Es entstehen auf diese Weise unglaublich intime Momente die sowohl Humor als auch Melancholie in sich tragen können.

Seit nun mehr als 70 Jahren zielt Jürgen Schadeberg mit seiner Leica, die ihn überall hin begleitet, treffsicher auf Menschen und seine Umgebung. Seine bewusst eingesetzte schwarz-weiß Ästhetik hebt die Kontraste innerhalb der Bilder noch deutlicher hervor. Dabei erinnern so wunderbare Porträts wie „Lighting up“, das einen jungen Afrikaner mit Hut und Mantel zeigt, wie er sich hinter vorgehaltener Hand eine Zigarette anzündet, an die Lichtdramatik eines Caravaggio. Dunkelheit umgibt die gesamte Figur, einzig das nicht hinter der Hand des Mannes dient dem Fotografen als Lichtquelle – Ort und Zeit sind irrelevant, und doch erzählt der Blick des Mannes eine eigene Geschichte.

Es sind genau diese Bilder, die Jürgen Schadeberg zu mehr als einem Fotojournalisten machen, der mit seiner Kamera zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Sein unbestechlicher Blick für ein Motiv und dessen Inszenierung machen seine Fotos zu Kunstwerken. Sie gehen über die Momentaufnahme hinaus und rufen beim Betrachter Erstaunen hervor.

Seine zahlreichen Projekte haben Jürgen Schadeberg immer wieder auch nach Deutschland geführt, so beispielsweise 1961, als er den Bau der Berliner Mauer festhielt. Seit Mitte der 1980er Jahre verwirklichte er gemeinsam mit seiner Frau Claudia verschiedene Filmprojekte, die sich mit dem politischen und kulturellen Leben der schwarzen Gesellschaft in Südafrika auseinandersetzen. Auch wenn Schadeberg nicht bewusst politische Bilder machen wollte, so sind seine Fotografien und Filme es dennoch, da sie den Finger in eine Wunde legen, indem sie auf Missstände oder Diskriminierung verweisen. Doch auch die weniger politischen Motive, wie beispielsweise Hans Prignitz‘ Handstand auf dem Hamburger Michel, haben etwas mit allen anderen Fotos von Jürgen Schadeberg gemeinsam: sie berühren den Betrachter und lassen ihn nicht mehr los.

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Foto: Handstand on Michael, 1948

Hamburg, 1948. Straßen und Plätze glänzen nach einem Regenschauer. Aufsteigende Nässe umhüllt die Ruinen der Stadt und taucht ihre klaffenden Wunden in weißen Nebel. Vor dieser Kulisse hält der 27-jährige Fotojournalist Jürgen Schadeberg den spektakulären einarmigen Handstand von Hans Prignitz, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Osado, auf der Brüstung der obersten Plattform des Hamburger Michel mit seiner Kamera fest. Der dunkle Anzug des Artisten hebt sich klar und scharf vom hellen, verschwommenen Hintergrund ab und fesselt den Blick des Betrachters. Man möchte den Atem anhalten, denn es ist, als würde jede Bewegung vor dem Bild den Artisten stören und vielleicht zu Fall bringen.

Die Vernissage findet am 29.9.12 um 16 Uhr statt. Der Künstler ist anwesend.

 

Fotos von der Ausstellungseröffnung

Fotos: Bert van Londen

 

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