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Start · KuK-Veranstaltungen · Veranstaltungen 2004 · BORN TO RUN (25.09.2004)

BORN TO RUN (25.09.2004)

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BORN TO RUN: Vorpremiere des Theaterstückes im Theater Traumkarussell in Übach-Palenberg

calendar Am 25. September 2004 um 20.00 Uhr.

Premiere: 13.10.2004; weitere Vorstellungen 2005 und 2005 unter www.traumkarussell.de

Ein Stück jugendliche Realität
Das Theater Traumkarussell aus Übach-Palenberg präsentiert sein neues Rockmusical

S
ie sind jung, respektlos, kreativ und auch ein bisschen zwielichtig: Christine, Manni und Tim hausen mit einer Gruppe Jugendlicher in einer alten, abgewrackten Fabrikhalle. Kopf der bunten Gesellschaft ist Daddy, ein komischer alter Kauz, der mit seiner rundlichen Erscheinung und dem stoppeligen weißen Bart unwillkürlich Sympathien weckt. Daddy hat seine Schützlinge auf der Straße aufgelesen, bietet ihnen eine bescheidene Unterkunft und ein wenig menschliche Wärme. Aber der gute Daddy erwartet dafür auch eine Gegenleistung: Die merkwürdige Wohngemeinschaft braucht Geld und deshalb geht die junge Christine auf den Strich, dealt der rechtsradikale Manni mit Drogen, klaut Tim schicke Autos.

borntorun02Es ist nicht gerade eine heile Welt, die das Ensemble Ingrid Heinze vom Theater Traumkarussell aus Übach-Palenberg in seinem neuen Rockmusical „Born to Run" entwirft. „Wir wollen die Zuschauer nachdenklich machen. Eine simple Botschaft haben wir nicht", erklärt Paula Gendrisch, die auf der Bühne eine junge Gelegenheits-Prostituierte gibt. Mit neun anderen Schauspielschülern des Ensembles hat sie das von Ingrid Heinze geschriebene Drama Stück für Stück weiterentwickelt. Die Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren sprechen auf der Bühne das an, was sie wirklich bewegt: Rechtsradikalismus, Drogen, Gewalt, Homosexualität. „Wir haben bewusst Themen gewählt, die uns persönlich interessieren", erklärt Paula. Und all das ohne erhobenen Zeigefinger, in einer Sprache, die junge Leute heutzutage halt sprechen. „Wir zeigen ein Stück jugendliche Realität", meint Paula. Die heruntergekommene Fabrikhalle ist nicht mehr als ein Spiegel jugendlichen Lebens. Sie könnte überall stehen. Christine, die junge Prostituierte wird schwanger – und dieses Schicksal ist Paula gar nicht so fremd: „In unserer Schule sind viele Mädchen schwanger geworden. So etwas kommt vor – und nicht nur auf der Bühne."

„Als wir nach den Osterferien mit den Proben begonnen haben, wussten wir eigentlich noch gar nicht, was dabei letztendlich herauskommen würde", sagt Cliff Hogen, der den fiesen Nazi „Manni" mit geradezu beängstigender Intensität spielt. „Wenn uns etwas nicht passte, haben wir es völlig umgeschrieben oder gestrichen." Ein fertiges Skript sei dabei jedoch nicht entstanden. Hogen: „Es bleibt noch viel Raum für Improvisation." Das merkt man den jungen Akteuren auch an: „Born to Run" ist Theater von Jugendlichen für Jugendliche – bunt und grell, bewegend, schnörkellos und fernab üblicher Betroffenheitslyrik.

Das Thema Rechtsradikalismus spielt in der Geschichte eine wichtige Rolle: Manni, der stets polternde Bösewicht, eckt ständig und überall an. Er hat keine Freunde und auch sonst nicht unbedingt viel zu lachen. Warum er von „Daddy" trotz seiner schier unerschöpflichen Bösartigkeit in der Gruppe geduldet wird, bleibt zunächst unklar. „Der Rechtsradikalismus musste ein Thema werden", erklärt Aradhana Grunenberg. Sie spielt in dem Stück eine begabte Sängerin mit ausländischen Wurzeln, die wegen ihrer Hautfarbe zur Zielscheibe von Mannis Aggressionen wird.

„Pöbeleien sind Alltag"

borntorun03„Viele Menschen haben noch nicht realisiert, dass dies bei uns in der Region längst die Realität ist", meint Aradhana. Sie hat Pöbeleien, wie sie auf der Bühne dargestellt werden, bereits am eigenen Leibe erlebt – „so etwas geschieht nicht täglich, ist aber beinahe schon alltäglich". Das Stück konfrontiert die jugendlichen Zuschauer mit teils sehr harten Szenen: Wenn Manni etwa einen Marsch anstimmt, so bleibt dem Publikum das anfängliche Lachen ganz schnell im Halse stecken. Manni-Darsteller Cliff hat die realen Vorbilder seiner Bühnenfigur bereits oft beobachten können: „Als Jugendlicher weißt du, wo die Rechtsradikalen so abhängen – meist musst Du nicht lange nach ihnen suchen." Für Cliff ist die Rolle eine Herausforderung, wollte er doch „endlich mal einen richtig Bösen spielen", so sagt er. „Ich muss mich dafür nicht extra in Stimmung bringen. Ich gehe auf die Bühne und lasse es einfach raus."

Das Traumkarussell bietet schwer verdauliche Theaterkost, die trotz des ernsten Hintergrundes bis zur letzten Minute überaus unterhaltsam bleibt. Dazu trägt auch die mitreißende Musik bei, die vom kitschigen Schmelz der üblichen Rockmusicals weit entfernt ist. Mit einer perfekten durchgestylten Choreografie schafft die Theatergruppe den ambitionierten Spagat zwischen Unterhaltung und ernstem Drama.

Kein Gut und Böse

Die junge Truppe wird vom Kreis Aachen finanziell unterstützt. Das Ziel sei, so meint die Kulturbeauftragte Nina Mika-Helfmeier, den Jugendlichen eine Möglichkeit zu geben, sich mit Themen wie Gewalt, Arbeitslosigkeit, Rechtsradikalismus oder Sexualität „auf eine etwas andere Art" auseinanderzusetzen. „Wir wollten bewusst kein Stück machen, in dem Gut und Böse wie Schwarz und Weiß klar umrissen sind. Hier gibt es Grauzonen." sagt Mika-Helfmeier. So finden sich in der bizarren Geschichte keine eindimensionalen Helden – auch wenn es schwer fällt, an dem Finsterling Manni eine positive Seite zu entdecken.

Bei der Premiere von „Born to Run" in der Gesamtschule Herzogenrath-Merkstein spielte die Gruppe erst kürzlich vor großem Publikum. Mitsamt Bühnenbild und Technik tourt das Ensemble nun durch die Region und spielt in allen Schulen, die sich für die originelle Geschichte der „Außenseiter-WG" interessieren. „Dabei finden wir es besonders wichtig, mit unserem Publikum nach der Vorstellung zu diskutieren", sagt Stefan Horn, der den alten „Daddy" spielt. „Born to run" richtet sich an Schüler ab 13 Jahren und kommt grundsätzlich in jede Schule. Der Eintritt kostet drei Euro pro Schüler (ab einem Publikum von 200 Personen), fünf Euro zahlen die Zuschauer bei kleineren Gruppen.

Informationen erhalten Sie unter:

borntorun01Theater Traumkarussell
Ingrid Heinze
Kirchstraße 14
52531 Übach-Palenberg
Telefon: 0 24 51 – 4 59 74

Kreis Aachen
Stabsstelle für Projektentwicklung, Forschung und Gleichstellung - S16
Frau Dr. Nina Mika-Helfmeier
Telefon: 02 41 – 51 98 - 664

Foto: Schauspielensemble; Stefan Horn (oben Mitte), Dr. Nina Mika-Helfmeier (links darunter) und Ingrid Heinze (rechts daneben).

Eintritt frei!


 

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